Bund, Land und Stiftung modernisieren Kloster Cismar
Die umfangreichen Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten am Kloster Cismar stehen kurz vor dem Abschluss. Nach einer mehrmonatigen Schließzeit ist bereits wieder Leben in die historische Anlage eingekehrt: In der sogenannten Gottorfer Amtmann-Wohnung finden in diesem Sommer Kunstausstellungen des Ostholstein-Museums statt.
Insgesamt wurden rund 3,5 Millionen Euro in die Sanierung und Modernisierung der historischen Klosteranlage investiert. Die Finanzierung erfolgte mit 800.000 Euro Bundesmitteln, rund 2,49 Millionen Euro Fördermitteln des Landes Schleswig-Holstein sowie 51.000 Euro Eigenmitteln der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf. Für Maßnahmen zur Verbesserung der Barrierefreiheit stellte die Staatskanzlei des Landes Schleswig-Holstein zudem rund 187.000 Euro aus dem Fonds für Barrierefreiheit zur Verfügung.
Historisches Baudenkmal – moderne Anforderungen
Ausgangspunkt des 2021 beantragten Projekts war die dringend erforderliche Sanierung der Nordbrücke, die für die Erschließung des Naherholungsgebiets rund um das Baudenkmal von Bedeutung ist. Veränderte gesetzliche Anforderungen an den Brandschutz machten darüber hinaus umfangreiche bauliche und technische Maßnahmen notwendig. In diesem Zusammenhang wurde auch die WC-Anlage im Erdgeschoss erneuert.
Eine besondere Herausforderung bestand darin, die historische Bausubstanz des bedeutenden Baudenkmals zu bewahren und zugleich die Voraussetzungen für eine zeitgemäße Nutzung zu schaffen.
Ein wesentlicher Bestandteil der Arbeiten war deshalb die Verbesserung der Barrierefreiheit. Ein Aufzug ermöglicht künftig einen barriereärmeren Zugang zu den oberen Geschossen und erleichtert damit auch Menschen mit Mobilitätseinschränkungen den Besuch der Ausstellungen und Veranstaltungen. Die Installation des Aufzugs wird in Kürze abgeschlossen.
„Denkmalgerechte Erhaltung und zeitgemäße Nutzung“
Bei einer gemeinsamen Begehung der Anlage mit Grömitz' Bürgermeister Sebastian Rieke und Sabine Höft-Dammer vom Förderkreis Kloster Cismar e.V. dankte der Vorstand und leitende Direktor der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf, Dr. Thorsten Sadowsky, Schleswig-Holsteins Bildungs- und Kulturministerin Dr. Dorit Stenke für die Unterstützung des Landes bei der Finanzierung der Sanierungsmaßnahmen.
„Die Sanierung von Kloster Cismar ist eine anspruchsvolle Aufgabe, bei der die Erhaltung der historischen Bausubstanz mit den heutigen Anforderungen an Sicherheit, Zugänglichkeit und Nutzung in Einklang gebracht werden muss. Mit der jetzt weitgehend abgeschlossenen Maßnahme sind dafür wichtige Voraussetzungen geschaffen worden. Unser besonderer Dank gilt dem Land Schleswig-Holstein und dem Bund für die Unterstützung sowie allen Beteiligten, die zur Umsetzung des Projekts beigetragen haben“, so Sadowsky.
Besonders wichtig sei die verbesserte Zugänglichkeit der historischen Anlage: „Der Einbau des Aufzugs ist ein wichtiger Schritt, um die Nutzung des Gebäudes zu erleichtern. Damit wird die historische Anlage auch künftig für Ausstellungen und Veranstaltungen zugänglich bleiben. Die Verbindung von denkmalgerechter Erhaltung und zeitgemäßer Nutzung ist für den langfristigen Fortbestand des Klosters von zentraler Bedeutung.“
Bedeutendes Baudenkmal der norddeutschen Backsteinarchitektur
Das Benediktinerkloster Cismar wurde 1231 gegründet und gilt als eine der bedeutendsten mittelalterlichen Klosteranlagen Ostholsteins. Nach der Auflösung der Klostergemeinschaft wurde der Besitz 1561 von der Gottorfer Herzogslinie übernommen und zu einem Schloss mit Gutsbetrieb umgebaut.
Ein weiterer grundlegender Umbau erfolgte 1768: Der Westteil der Kirche wurde abgetrennt und durch den Einbau von zwei Zwischendecken zu einem Wohnhaus für den Amtmann umgestaltet. In den folgenden Jahrhunderten erlebte die Anlage zahlreiche unterschiedliche Nutzungen. Sie diente unter anderem als Scheune, während des Zweiten Weltkriegs als Auslagerungsort der Universitätsbibliothek Kiel sowie später als Flüchtlingswohnheim, Jugendherberge und Schule.
Seit 1999 gehört Kloster Cismar zur Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf. Wesentliche Teile der historischen Anlage sind bis heute erhalten. Das Kloster zählt zu den bedeutenden Bauwerken der lübischen Frühgotik und der norddeutschen Backsteinarchitektur.
Von herausragender kunst- und kulturhistorischer Bedeutung ist der Cismaraner Altar, der sich bis heute an seinem ursprünglichen Standort im Chor der Klosterkirche befindet.
Der um 1315 von einer Lübecker Werkstatt geschaffene Flügelaltar gehört zu den ältesten erhaltenen Werken seiner Art. Ursprünglich diente er der Präsentation des kostbaren Reliquienschatzes des Klosters. Sein Bildprogramm widmet sich dem Leben Christi sowie dem Ordensgründer Benedikt von Nursia und Johannes, dem Patron des Klosters.
Mit der weitgehend abgeschlossenen Sanierung sind wichtige Voraussetzungen geschaffen, um dieses außergewöhnliche historische Ensemble zu bewahren und Kloster Cismar zugleich als Ort für Kunst, Kultur und Veranstaltungen zukunftsfähig weiterzuentwickeln.