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Neue Ausstellung im Jüdischen Museum: Die Hamburger Curiohaus-Prozesse

14. Juni bis 25. August: NS-Kriegsverbrechen vor britischen Militärgerichten

Das Jüdische Museum in Rendsburg zeigt vom 14. Juni bis 25. August eine Wanderausstellung der KZ-Gedenkstätte Neuengamme: „Die Hamburger Curiohaus-Prozesse. NS-Kriegsverbrechen vor britischen Militärgerichten.“ Das Curiohaus in Hamburg-Rotherbaum war von 1945 bis 1949 der wichtigste Gerichtsort für die Kriegsverbrecherprozesse in der Britischen Zone.

Die Bestrafung der für die nationalsozialistischen Gewaltverbrechen Verantwortlichen war ein wichtiges Anliegen der im Krieg gegen Deutschland verbündeten Länder. Der Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess fand weltweit Beachtung und gilt als Meilenstein der Rechtsgeschichte. Weniger bekannt ist, dass die Alliierten hunderte weitere Prozesse durchführten – so auch im Curiohaus im Hamburger Stadtteil Rotherbaum. Hier fanden 188 Militärgerichtsverfahren gegen 504 Angeklagte statt.

Wer waren diese Angeklagten, für welche Verbrechen wurden sie zur Rechenschaft gezogen? Wer waren ihre Opfer? Die Ausstellung im Jüdischen Museum gibt einen Überblick über diese im Curiohaus verhandelten Prozesse und zeigt den Anteil ehemaliger Verfolgter an der juristischen Ahndung. Sie stellt Besonderheiten der britischen Strafverfolgung vor und thematisiert Prozesse gegen unterschiedliche Gruppen von Täterinnen und Tätern. Ein großer Teil der Verfahren richtete sich gegen das Lagerpersonal des KZ Neuengamme. Aber auch Verbrechen an Häftlingen anderer Konzentrationslager wie Ravensbrück, Bergen-Belsen und Groß Rosen kamen hier vor Gericht. Zu den Angeklagten zählten auch Unternehmer und Firmenangestellte, etwa der Hamburger Firma „Tesch & Stabenow“, die „Zyklon B“ an die SS verkaufte und die Konzentrationslager belieferte. Weitere Prozesse richteten sich gegen die Verantwortlichen für Verbrechen an Gestapo-Häftlingen, an Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern und an Kriegsgefangenen.

Ein eigener Ausstellungsabschnitt ist den Nachwirkungen der Prozesse gewidmet. Angesichts des Kalten Krieges kam die alliierte Strafverfolgung abrupt zum Stillstand. Als Kriegsverbrecher Verurteilte wurden in den 1950er-Jahren vorzeitig aus der Haft entlassen und konnten nach bundesdeutscher Rechtsprechung Entschädigung beantragen. Viele Täterinnen und Täter wurden nie zur Verantwortung gezogen.

Die Eröffnung der Ausstellung findet statt am Donnerstag, 13. Juni, um 19 Uhr. Zur Einführung spricht Reimer Möller, Leiter Archiv KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Der Eintritt ist frei.

Begleitprogramm:

Donnerstag, 15. August, 19 Uhr:

Vortrag „Lasst ab von dem Sonderrecht gegen die Besiegten!“

Die kirchliche Haltung zu Entnazifizierung und NS-Verbrecherprozessen

Dr. Stephan Linck, Studienleiter für Erinnerungskultur u. Gedenkstättenarbeit der Nordkirche, Eintritt frei.

 

Donnerstag, 22. August, 19 Uhr

Vortrag „Umstrittene Zeugenschaft. Die Auschwitz-Überlebenden als Zeugen vor Gericht“, Dr. Katharina Stangel, Fritz-Bauer-Institut, Frankfurt am Main, Eintritt frei

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