Rebecca Louise Law – Einblicke in ihre Naturtagebücher
Rebecca Louise Law, deren Werke wir derzeit in Schleswig, Rendsburg und Molfsee zeigen, hat während des Corona-Lockdowns Naturtagebücher verfasst. Sie schrieb, zeichnete und bewahrte Naturmaterialien darin. Wir haben mit unserer Kuratorin Sonja Nökel darüber gesprochen, was diese Tagebücher der Künstlerin bedeuten und wie sie sich auf ihr Schaffen ausgewirkt haben.
Frau Nökel, wir alle haben versucht, das Beste aus dem Corona-Lockdown zu machen, Rebecca Louise Law hat mit dem Schreiben von Naturtagebüchern begonnen. „A connection to nature every day puts life in perspective“, so die Künstlerin. Können Sie das konkretisieren?
Angesichts der globalen Krise lenkt die Künstlerin in ihren Naturtagebüchern den Fokus ganz bewusst auf ihre unmittelbare Umwelt. Ihre alltägliche Betrachtung von Pflanzen, Samen, Blumen, Insekten uvm. hält sie dabei nicht nur beobachtend fest, sondern ergänzt diese auch malerisch, zeichnerisch oder schriftlich mit einem Zitat oder einem Gedicht. Mit jeder dokumentierten Naturerfahrung verortet sich die Künstlerin somit selbst als Teil der von ihr wahrgenommenen Umwelt. Diese detaillierten Beobachtungen der Natur übersetzt die Künstlerin wiederum kreativ in ihre Kunstwerke.
Rebecca Louise Law hat ihre alltäglichen Naturbeobachtungen nicht nur in ihren Naturtagebüchern, sondern auch mithilfe von kurzen Videos digital auf Instagram (@rebeccalouiselawdiary) festgehalten. Wie setzt sich dieser Gedanke des geteilten Naturarchivs in der Ausstellung fort?
Was in den haptischen und digitalen Naturtagebüchern zweidimensional festgehalten ist, wird in der Reithalle zu einem begehbaren Erlebnis. Die gezeigten Kunstwerke – wie zum Beispiel die Gewebe (Weaves) und die monumentale Installation Florilegia – sind im Grunde Archive, die aus Tausenden von Samen, Blüten und Blättern bestehen. Rebecca Louise Law hat diese Naturmaterialien über viele Jahre hinweg gesät, gesammelt und getrocknet. Oftmals haben Menschen aus der Region, wie unser hiesiger Blomentüddel-Club, die Sammlung mit lokalen Pflanzen erweitert.
In der Reithalle auf Schloss Gottorf laden wir unsere Besucher*innen ein, selbst mit dem Schreiben eines Naturtagebuches zu beginnen. Wie ist es zu dieser Idee gekommen?
Die Idee dazu hatte unsere liebe Kollegin Liva Gramlow, die das Vermittlungsprogramm für die Ausstellung erarbeitet hat. Die Empore ist ein Ort zum Verweilen, Lesen und Innehalten. In der kleinen Bibliothek laden Bücher, Sofas und Sessel ein, die Installation von Rebecca Louise Law aus einer anderen Perspektive zu entdecken. Im Mittelpunkt der Empore steht das Naturtagebuch – ein Format, das für die Künstlerin wie beschrieben eine zentrale Bedeutung hat. An zwei großen Tischen können Besuchende eigene Naturtagebuchseiten gestalten. Reflexionskarten mit kurzen Impulsfragen regen dazu an, eigene Gedanken, Beobachtungen oder Eindrücke zur Natur festzuhalten – als Text, Skizze oder kleines Gedicht. Die fertigen Seiten können mitgenommen oder an der dafür vorgesehenen Wand hinterlassen werden, wo im Laufe der Ausstellung ein offenes, gemeinschaftliches Naturtagebuch entsteht.