Schloss Gottorf ist geschlossen, die Museumsinsel bleibt geöffnet
Zwei Landesmuseen unter einem Dach: Sowohl die Archäolog*innen als auch die Kunst- und Kulturhistoriker*innen Schleswig-Holsteins sind auf der Gottorfer Museumsinsel in Schleswig mit ihren Sammlungen und Forschungsschwerpunkten vertreten. Spektakuläre Funde wie das Nydamboot oder die Moorleichen werden ebenso gezeigt wie kunsthistorisch bedeutende Exponate aus der Geschichte Schleswig-Holsteins. Gleichzeitig präsentiert Schloss Gottorf Sonderausstellungen von national und international bedeutenden Künstlern.
Schloss Gottorf wird saniert / Ausstellungen werden modernisiert
Die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf verfolgt mit dem MUT-Projekt (MUT=Museumstransformation; ehemals Masterplan) das Ziel, Schloss Gottorf als zeitgemäßen, barrierefreien und besucherorientierten musealen Leuchtturm mit internationaler Ausstrahlung zu positionieren. Das Landesmuseum für Archäologie und das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte erarbeiten zusammen mit dem Schweizer Architekturbüro Holzer Kobler Architekturen eine maßgeschneiderte Modernisierung des Schlosses und eine umfassende Erneuerung der Dauerausstellungen. Seit 1. September 2025 ist Schloss Gottorf geschlossen. Die Wiedereröffnung ist 2029 geplant.
Bis dahin aber bleibt die Museumsinsel in Schleswig für Besuchende geöffnet. Zu sehen gibt es u.a. regelmäßige Sonderausstellungen in der großen Reithalle sowie das spektakuläre Nydamboot der Archäologie in der Nydamhalle. Ab Juli 2026 haben die Landesmuseen darüber hinaus wieder eine Galerie der Moderne zu bieten. Auf über 1800 Quadratmetern Ausstellungsfläche werden in diesem neuen Kunstmuseum auf der Ostseite der Museumsinsel die Meister des Experessionismus aus der Sammlung von Rolf und Bettina Horn gezeigt und die Höhepunkte aus dem Bestand des Museums für Kunst und Kulturgeschichte.
Schloss Gottorf hat sich im Laufe seiner mehr als 800-jährigen Geschichte immer wieder dem Wandel der Zeit angepasst. So wurde aus der herzoglichen Burg eine Schlossanlage und aus dieser im 19. Jahrhundert eine Kaserne, bevor nach dem 2. Weltkrieg schließlich die Museen für Archäologie und für Kunst und Kulturgeschichte einzogen.
Erstmals erwähnt wurde die Burg Gottorf unter Bischof Occo um 1160. Unter Herzog Friedrich III. (1597 - 1656) entwickelte sich Gottorf zu einem der bedeutendsten Fürstenhöfe seiner Zeit. Das Schloss galt als eines der kulturellen Zentren Nordeuropas und der Gottorfer Riesenglobus, der Barock-Garten und die reichen Sammlungen der Kunstkammer und der Bibliothek in der Gotischen Halle waren berühmt. Der kulturelle Austausch wurde gefördert, Künstler und Gelehrte wie Adam Olearius an den Hof geholt, Handlungsreisende und Expeditionen bis in den Orient gesandt. Am Ende des 17. Jahrhunderts gab Friedrich IV. eine barocke Erweiterung der Anlage in Auftrag und unter anderem entstand der bis heute prägende Südflügel mit seiner imposante Fassade.
Museum für Kunst und Kulturgeschichte
Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte Schloss Gottorf gewährt einen einzigartigen Blick auf Höhepunkte der Kunst und Kulturgeschichte des nördlichsten Bundeslandes.
Von den rund 120.000 Exponaten des Museums werden ausgewählte Kunstwerke und Objekte auf mehr als 15.000 Quadratmetern auf der Schleswiger Schlossinsel präsentiert. Die Sammlung des Museums zeichnet sich durch ihre Vielfalt aus. Sie birgt wahre Schätze und reicht von Kirchenkunst aus dem Mittelalter bis hin zu zeitgenössischer Malerei, von Möbeln bis hin zum Kunsthandwerk. Hervorzuheben sind die Fayencen des Ostseeraums, die Gemälde von Lucas Cranach, die Norddeutsche Galerie mit Künstlern, die einen Bezug zu Schleswig-Holstein haben, sowie die Schau der Stiftung Horn. Ihr hat Schloss Gottorf eine beeindruckende Auswahl an expressionistischen Werken von Nolde bis Rohlfs zu verdanken.
Die Sammlung von Rolf und Bettina Horn fand ihren Weg 1988 nach Schleswig. Heute umfasst die Sammlung etwa 450 Werke, woran grafische Arbeiten einen großen Anteil haben. Dabei wurde der zeitliche Rahmen der Sammlung auf einzelne wichtige Positionen der deutschen Kunst bis in die Gegenwart hinein erweitert.
Der Skulpturenpark auf der Schleswiger Schlossinsel präsentiert um das prächtige barocke Bauwerk des Schlosses herum mehr als 50 figürliche und ungegenständliche, teilweise monumentale Werke der Bildhauerkunst vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Unter den Schöpfern sind große Namen: Karl Hartung, Bernhard Heiliger, Hans Wimmer, Magdalena Abakanovicz, Daniel Spoerri und andere.
Museum für Archäologie
Das Museum für Archäologie Schloss Gottorf besitzt mehr als 10 Millionen Funde aus 80.000 Jahren Menschheitsgeschichte. Viele davon sind im nördlichsten Bundesland entdeckt worden. In seinen Ausstellungen präsentiert das Museum ausgewählte Exponate, darunter sind so spektakuläre wie das Nydamboot und die Moorleichen, zu denen auch das Kind von Windeby zählt.
Forschung nimmt im Museum für Archäologie eine hohen Stellenwert ein. Sie ist häufig am Fundmaterial ausgerichtet und leistet einen Beitrag für zahlreiche Studienprojekte. Neben den archäologischen Methoden finden auch naturwissenschaftliche Analyseverfahren Anwendung. Die Schleswiger Archäolog*innen setzen einen Forschungsschwerpunkt auf zerstörungsfreie oder zerstörungsarme materialanalytische Untersuchungen. Langjährige Forschungsgrabungen, beispielsweise in Haithabu oder in der slawischen Zentralburg Starigard/Oldenburg, sowie Forschungsprojekte auf steinzeitlichen Siedlungen lieferten komplexe Informationen und große Fundmengen, deren Management zu einer zentralen Frage nachhaltiger Forschung geworden ist. Dafür entwickelt das Museum in Kooperation mit dem ebenfalls auf Schloss Gottorf ansässigen Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie die dreidimensionale Verknüpfung von Geometrie- und Sachinformationen in Geographischen Informationssystemen zu einem zentralen Schlüsselelement. Regelmäßig werden auch international ausgerichtete Tagungen zu speziellen Forschungsfragen veranstaltet.
Kontakt: Museumsinsel Schloss Gottorf, Schlossinsel 1, 24837 Schleswig, Information, Reservierung, Buchung: +49 (0) 4621 813 222; service@landesmuseen.sh, www.landesmuseen.sh.
Pressekontakt: Frank Zarp, Pressesprecher, frank.zarp@landesmuseen.sh, Telefon: +49 (0) 4621 813 208, Mobil: +49 (0) 170 336 1424